Texte, die die Welt nicht braucht

27.2.05

Gehörlosenhotline

Habt ihr euch schonmal mit Diversity befasst?

Ich musste das Ende letzten Jahres tun. Da kam nämlich die Gleichstellungs- und Diversity - Beauftragte von unserer Patenbrigade*, der T-Com, zu uns in die Schule und hielt einen Vortrag.

Schon der Beginn trieb einigen Zuhörern den Angstschweiß auf die Stirn. Beim Einleitungssatz "Ich geb euch jetzt mal 'nen Input" dachte so mancher an eine Klistierspritze.
Glücklicherweise handelte es sich bei diesem "Input" um eine Einführung zur Rolle von "Diversity" beim "Commitment des Konzerns". Wir lernten auch, dass "Diversity-Management" positiven Enfluss auf den "T-spirit" hat und dem "mind change" der Gesellschaft Rechnung trägt. Selbstverständlich wurde uns auch von der praktischen Umsetzung des "Diversity-Prinzips" beim "Ethno-Marketing" berichtet. So hat die T-Com zum Beispiel eine "Gehörlosenhotline" eingerichtet. Warum die T-Com das alles tut?
Weil "rating-Agenturen" vermehrt auf Diversity achten.

Aha.


*Patenbrigaden gab es in der DDR. Jede Abteilung eines VEB übernahm damals die Patenschaft für eine Schulklasse. Heute gibt es Kurs 21. Im Rahmen dieses vollkommen neuen Projektes sollen Unternehmen Patenschaften für Schulen übernemen...

26.2.05

Althaus macht schimpfeschimpfe mit Köckert

Christian Köckert, der CDU-Fuzzi, den selbst in der eigenen Landtagsfraktion keine Sau mag, wurde mir zu Beginn dieser Woche, soweit dies bei einem "C"DU-Angehörigen möglich ist, ein bisschen symphatisch: Er stimmte für einen Antrag der Opposition. Das ließ Hoffnung aufkeimen, dass er selbiges auch bei der Abstimmung zum Haushalt tun könnte. Doch da schimpften Papa Dieter Althaus und Mama Christine Lieberknecht mit ihrem rebellierenden Exinnenministerziehsohn, er musste ohne Abendessen ins Bett, obwohl es noch hell war und sollte über sein respektloses verhalten nachdenken.
Am Donnerstag dann besserte sich Christian. Er hielt, wie von Mutti Christine gefordert, das richtige Kärtchen in die Höhe. Nun waren alle Stolz auf Köckertchen, selbst die dicke Tante Birgit D. gab ihm einen dicken Schmatz. Denn schließlich kann sie jetzt all das Geld behalten, was sie bisher widerwillig unter Anderem an freie Träger im Sozial- und Jugendbereich abgeben musste. Sie erklärte dem kleinen Köckert, dass sie so mehrere hundert Millionen spare, das sei eine Zahl mit mehr Nullen als Kabinettsmitgliedern in der Landesregierung.
"Aber wer bezahlt denn jetzt das alles?" fragte der kleine Christian. "Das erklärt dir Onkel Gnauck vom Gemeinde- und Städtebund, wenn du groß bist." sagte Tante Birgit mit sanfter Stimme, schlug das Märchenbuch zu, löschte das Licht und deckte ihren einschlafenden Neffen zu.

Althaus und Klein-Köckert auf einem Ausflug in den Landtag.

25.2.05

Pisaeddi

Der Text ist schon fast 2 Monate alt, aber immer noch aktuell:

Werte Trauergemeinde.
Wir sind schlecht. Die Deutschen sind immer noch im unteren Tabellenteil der Pisastudie, also mitten im Abstiegskampf. Bleiben wir mal im Fußballjargon: Was tun denn abstiegsbedrohte Vereine?? Richtig. Sie entlassen den Trainer. Wer aber, verdammt noch mal ist unser Trainer? Der Ministerpräsident, der Kultusminister, die Direktoren oder die Lehrkräfte? Unser Minipräsi soll ruhig noch im Amt bleiben, denn er ist studierter Mathe/Physik-Lehrer und eine Wiedereinberufung von Althaus in den Schuldienst möchte man keinem Schüler, egal wie schlecht er bei der Pisastudie abschnitt, zumuten.
Der Kultusminister unseres Freistaates wurde ja bereits nach der Bestätigung der CDU-Monarchie durch ihre Untertanen ausgetauscht. Aus Krappi wurde Dr. Jens Göbel, optisch eine Mischung aus Samson und einer Schweinsroulade, der aber Taktik und Aufstellung seines Vorgängers beibehält. Also, Direktoren und Lehrer austauschen! Nein. Der bürokratische Aufwand (ein Teil der Lehrer sind Beamte) und die Tatsache, dass in der Fußballparallelwelt auf „weichere Trainer“ immer ein Quälix folgt, schrecken ab.
Nur zu gut, dass Prophet Ede Stoiber bereits einen Tag vor Veröffentlichung der Pisa-Ergebnisse die Jugend dazu aufgefordert hat, sich zu ändern. Wir Jugendlichen müssen zu „christlichen Werten“ zurückkehren. Um uns dies am Beispiel der Nächstenliebe zu demonstrieren, verbrachte er die Nacht vor dem Parteitag mit Angela Merkel. Um zu diskutieren und sich in Sachfragen abzusprechen natürlich. Sollen wir jetzt, seinem Beispiel folgend, mit CDU-Mitgliedern kuscheln? *würg* Auch sollte die Jugend, laut Stoiber, einen „aufgeklärten Patriotismus“ an den Tag legen. Wir müssen stolz sein auf unser Vaterland, auf unsere Leistungen (bei Pisa?). Folgte (Konjunktiv zwo) man blind dieser Logik, wüsste also der aufgeklärte junge Patriot, dass die ersten beiden Strophen des Deutschlandliedes und der „deutsche Gruß“ schon vor der Zeit des Nationalsozialismus existierten und es demzufolge nicht schlimm wäre, dieses altdeutsche Kulturgut zur Schau zu stellen.
Dass der Patriot Edmund mit 45 Jahren schon geschichtlich aufgeklärt war, bewies er 1986 in einer Bierzeltrede, dort erklärte er nämlich: „Es gab auch nette Nazis“
Dauernd wiederholte Stoiber während seiner Parteitagsrede – außer den äh’s – dass die Jugend zu „den alten Tugenden“ zurückfinden solle. Das sind Orrdnung, Fleiß, Trreue, und eben auch Patrrriotismus. Und wenn wir Schüler wieder so tugendsam sind wie der kleine, sitzen gebliebene Edmund auf der katholischen Oberschule, dann werden wir auch wieder in der Pisarangliste über allen stehen.
Fußballsprachlich ausgedrückt: Rote Karte für Ede!

Moin.

Moin-Moin.

Wer mich kennt, weiß dass ich immer das überdimensional große Verlangen habe, überall meinen saublöden Kommentar dazuzugeben. Damit meine seltsamen Gedanken ein breiteres Publikum finden, tat ich das, was zur Zeit alle machen: Ich richtete mir diesen bescheidenen Blog ein.
Ich werde versuchen, euch wöchentlich mit neuen texten auf die Nerven und gelegentlich auch auf die Zwerchfelle zu gehen.

Und immer schön dran denken: Zynismus ist der geglückte Versuch, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist.

Viel Spaß noch.