Der Text ist schon fast 2 Monate alt, aber immer noch aktuell:
Werte Trauergemeinde.
Wir sind schlecht. Die Deutschen sind immer noch im unteren Tabellenteil der Pisastudie, also mitten im Abstiegskampf. Bleiben wir mal im Fußballjargon: Was tun denn abstiegsbedrohte Vereine?? Richtig. Sie entlassen den Trainer. Wer aber, verdammt noch mal ist unser Trainer? Der Ministerpräsident, der Kultusminister, die Direktoren oder die Lehrkräfte? Unser Minipräsi soll ruhig noch im Amt bleiben, denn er ist studierter Mathe/Physik-Lehrer und eine Wiedereinberufung von Althaus in den Schuldienst möchte man keinem Schüler, egal wie schlecht er bei der Pisastudie abschnitt, zumuten.
Der Kultusminister unseres Freistaates wurde ja bereits nach der Bestätigung der CDU-Monarchie durch ihre Untertanen ausgetauscht. Aus Krappi wurde Dr. Jens Göbel, optisch eine Mischung aus Samson und einer Schweinsroulade, der aber Taktik und Aufstellung seines Vorgängers beibehält. Also, Direktoren und Lehrer austauschen! Nein. Der bürokratische Aufwand (ein Teil der Lehrer sind Beamte) und die Tatsache, dass in der Fußballparallelwelt auf „weichere Trainer“ immer ein Quälix folgt, schrecken ab.
Nur zu gut, dass Prophet Ede Stoiber bereits einen Tag vor Veröffentlichung der Pisa-Ergebnisse die Jugend dazu aufgefordert hat, sich zu ändern. Wir Jugendlichen müssen zu „christlichen Werten“ zurückkehren. Um uns dies am Beispiel der Nächstenliebe zu demonstrieren, verbrachte er die Nacht vor dem Parteitag mit Angela Merkel. Um zu diskutieren und sich in Sachfragen abzusprechen natürlich. Sollen wir jetzt, seinem Beispiel folgend, mit CDU-Mitgliedern kuscheln? *würg* Auch sollte die Jugend, laut Stoiber, einen „aufgeklärten Patriotismus“ an den Tag legen. Wir müssen stolz sein auf unser Vaterland, auf unsere Leistungen (bei Pisa?). Folgte (Konjunktiv zwo) man blind dieser Logik, wüsste also der aufgeklärte junge Patriot, dass die ersten beiden Strophen des Deutschlandliedes und der „deutsche Gruß“ schon vor der Zeit des Nationalsozialismus existierten und es demzufolge nicht schlimm wäre, dieses altdeutsche Kulturgut zur Schau zu stellen.
Dass der Patriot Edmund mit 45 Jahren schon geschichtlich aufgeklärt war, bewies er 1986 in einer Bierzeltrede, dort erklärte er nämlich: „Es gab auch nette Nazis“
Dauernd wiederholte Stoiber während seiner Parteitagsrede – außer den äh’s – dass die Jugend zu „den alten Tugenden“ zurückfinden solle. Das sind Orrdnung, Fleiß, Trreue, und eben auch Patrrriotismus. Und wenn wir Schüler wieder so tugendsam sind wie der kleine, sitzen gebliebene Edmund auf der katholischen Oberschule, dann werden wir auch wieder in der Pisarangliste über allen stehen.
Fußballsprachlich ausgedrückt: Rote Karte für Ede!