Texte, die die Welt nicht braucht

24.8.05

Offensive.

Manchmal hilft der Duden, Politik zu verstehen. Das Wort "Offensive" erklärt der Fremdwörterduden nämlich so:
Offensive die; -, -n: [planmäßiger] Angriff

Nun verstehe ich auch, was die Thüringer Landesregierung mit ihrer "Familienoffensive" meint. Einen Angriff gegen die Familien im Freistaat.
Kommunalisierung der Horte, Kürzungen bei freien Trägern, Zusammenlegen und -streichen von Jugendpauschale und Schuljugendarbeit und Zurückziehen aus der Schulbuchfinanzierung. Jetzt will das Land auch noch nur die Hälfte der Krippenplätze bezuschussen. Anstatt sich am tatsächlichen Bedarf zu orientieren, gibt es eine Pauschalförderung, durch die es für 15 Prozent der Kinder im Krippenfähigen Alter je 100€ aus Onkel Dieters Kasse gibt. Tatsächlich besuchen jedoch 30 Prozent der Geraer Kleinkinder die Krippe. AWO-Geschäftsführer Michael Hoffarths beschreibt die Situation wohl am treffendsten: "Wir gleiten von einem der besten Betreuungssysteme in eines der schlechtesten ab."
Kinder und Jugendliche - vom Wegwerfwindelkontaminierer bis zum Abiturienten - sollen schonmal daran gewöhnt werden, dass man für alles, was irgendwie mit Bildung zutun hat, blechen muss. Das nennt die Landesregierung "Betreuungskonzept 2-16" Sind die ersten Opfer der gebührengeilen Politik aus Erfurt diesem Alter entwachsen, werden sie wohl kaum noch Widerstand leisten, wenn 2009 die Studiengebühren auch in Thüringen eingeführt werden. Man gewöhnt sich an alles. Offenbar auch ans Bezahlen.