Texte, die die Welt nicht braucht

31.10.05

pseudolinke soziangie

OK, lange nichts geschrieben in diesem Blog. Ich wollte mir Zeit lassen für dieses Outing: Ja, ich bin ein Sozi - sogar ein linker.
Aber ich bin garantiert nicht schuld, dass eine Person, die nicht nur äußerlich (dumpfer Blick, rote Haare)in die Linkspartei passt, zur neuen Generalsekretärin der Organisation wird, die monatlich 2,50 Euro von meinem Konto abbucht.
23 : 14 Stimmen für die Person, die schon unfähig war, die Jusos anzuführen. Das sind mehr als doppelt so viele Stimmen wie Linke im Parteivorstand. Welche interessen da eine Rolle gespielt haben, wäre natürlich mal interessant.
Für die meisten Genossen und auch für viele Außenstehende - Gruß an Edmund - steht fest: Die Parteilinken seien schuld.

Aber wie konnte so eine pseudolinke Tante überhaupt soweit aufsteigen? Durch Erfolge ist sie als Juso-Vorsitzende und Vorsitzende der Projektgruppe Bürgerversicherung jedenfalls nicht aufgefallen. Deshalb folgende Verschwörungstheorie:
Die neue Mitte(lmäßigkeit) der Partei wollte, dass die Linke so wenig Macht wie möglich bekommt. Gleichzeitig sah man aber die Notwendigkeit einer Quotenlinken, die sozusagen als Pluralitätskasper in der Führungsetage rumgeistern darf. Also suchte man sich die unbeliebteste und dämlichste Person unter den Linken: Andrea Nahles. Und plötzlich passierte das, was keiner - nicht mal die meisten Linken - wollten. Andrea Nahles ist (fast) Generalin der SPD.
Nach dieser - zugegeben etwas gewagten - Theorie tun sich doch parallelen zu einer anderen großen Partei auf. Ist Andrea die Angie der SPD?
Hauptsache, sie wird nich auch noch Kanzlerkandidatin.

31.8.05

Angieee, Ahaaangieeee

Endlich mal was los in Gera. Das Schlachtschiff aus der Uckermarck hatte sich angekündigt. Im schleimigen Fahrwasser kamen noch Landespapa Didi, Landtagspräsidentin Schipanski (die mit der Riesenhalskette) und Mike Mohring, Generalyuppie der Thüringer CDU.
Die Veranstaltung begann mit einer Band, deren Qualität sich am Besten mit "naja" beschreiben lässt. Pünktlich, 20.00 Uhr betraten die Politiker die Bühne, vor ihnen eine Kulisse aus linientreuen Klatschern, dahinter der Blinden- und Sehbehindertenverband, gefolgt von der "Bier-statt-Hartz-IV-Fraktion", ein paar vereinzelten Jusos und ungefähr genauso wenigen interessierten Bürger.
Althaus, so erfuhren wir, ist stolz auf die tolle Infrastruktur und die vielen neuen Straßen in Gera. Der geneigte Zuhörer fragte sich da, ob Didis Auto extrem wirksame Stoßdämpfer hat oder er mit dem Hubschrauber kam. Didi liebt Gera. Und Angela liebt Didi, und damit auch Gera. Das haben wir gelernt.
Dann kam sie, Die Jeanne D'Arc aus der Uckermarck. Im FDJ-blauen Jackett versuchte sie, betont selbstbewusst zu klingen, auf der Videoleinwand sah man aber ein deutlich verunsichertes Merkel. Sie ist fähig, zu regieren. Sie ist stolz, in der Regierung Kohls Ministerin gewesen zu sein. Helmut hatte ein Herz für Ostdeutschland. Das Publikum erinnerte sich an die blühenden Landschaften. (Vielleicht war damit gemeint, dass 2007 bereits die 4. BuGa/IGA in Ossiland stattfindet)
Frau Merkel hat sogar einen Seitenhieb auf Bayern gewagt, denn wir sind in Pisa sooo gut gewesen, dass wir, wenn wir Thüringer weiter schön brav lernen, die Bayern bald ärgern könnten, was die auch mal nötig hätten. Ja. Toll, Angie. Thüringen ist im internationalen Vergleich immernoch unterdurchschnittlich, aber was zählt das schon. In Angieland ist alles Perfekt, und am 19. September sogar noch perfekter. Die reichen zahlen alle Steuern, ohne Kündigungsschutz werden wir uns vor Arbeitsstellen kaum noch retten können, und Videoüberwachung ist eine wahre Wunderwaffe gegen Extrem- und Terror- und sonstigen -ismus. Man sähe es ja an London, ohne Kameras in den U-Bahnstationen hätten sie die Täter nie gefasst.
Die Anschläge wurden allerdings trotzdem verübt. Und mit der CDU hätten wir dann aber nicht nur innenpolitisch gesehen britische Verhältnisse, sondern auch in der Außenpolitk. Dann braucht man aber auch die Kameras, um die Terroristen nach Anschlägen in Deutschland zu fassen.

Dann sangen alle Patrioten auf der Bühne noch die Nationalhymne und Angie machte nochmal Tubbywinkewinke.

Zum Abschluss hallte übrigens "Angie" von den Stones über den Geraer Museumsplatz. Haben die denen das nicht verboten?

26.8.05

Aus dem Alltag eines Bassisten

Wir hatten heute eine Mugge auf die wir uns nicht unbedingt gefreut haben. Und zwar sollten wir zum Sommerfest des Jugendheims und der Förderschule "Geschwister Scholl" in Bad Köstritz (da, wo das Schwarzbier zu Hause ist) spielen. Grund dafür, war dass der Pfarrer dort keinen normalen Gottesdienst halten wollte, sondern einen Rockgottesdienst, damit wenigstens ein paar der "nicht ganz so leicht erziehbaren Jugendlichen" zuhören.
Wir gingen also nach einer Stunde Aufbauen (Das Equipment füllt immerhin 'nen Kleinbus) und Soundchecken nacheinander auf die Bühne, setzten die Sonnebrillen auf und spielten das Theme von "Mission impossible" an. Der Geistliche betrat ebenfalls mit dunkler Brille die Bühne und wurde dabei von unserem Sänger mit "Er sieht zwar nicht aus wie Tom Cruise, aber er trägt auch 'nen schwarzen Anzug: Hier kommt Pfarrer Andreeaas Schaller!" Während des Gottesdienstes. "Behind blue Eyes" (natürlich von den Who) und "knockin' on heavens door" (Guns 'n Roses)
Danach dann unser eigentliches Konzert: Beatles, Steppenwolf, Dandy Warhols usw.
Haben die schwer Erziehbaren beim Aufbauen noch ziemlich sinnfreie Sprüche ("Seid ihr ne Band oder Bombenleger") gebracht, kamen diese beim Abbauen zu uns und sprachen: "Ey Leute, ihr haut echt rein" (Übersetzt in Seniorendeutsch: Liebe Musikkapelle, ihr spielt sehr schön)

Ordentliche Livemusik kann also doch noch begeistern.

Bässte Grüße
MM

24.8.05

Offensive.

Manchmal hilft der Duden, Politik zu verstehen. Das Wort "Offensive" erklärt der Fremdwörterduden nämlich so:
Offensive die; -, -n: [planmäßiger] Angriff

Nun verstehe ich auch, was die Thüringer Landesregierung mit ihrer "Familienoffensive" meint. Einen Angriff gegen die Familien im Freistaat.
Kommunalisierung der Horte, Kürzungen bei freien Trägern, Zusammenlegen und -streichen von Jugendpauschale und Schuljugendarbeit und Zurückziehen aus der Schulbuchfinanzierung. Jetzt will das Land auch noch nur die Hälfte der Krippenplätze bezuschussen. Anstatt sich am tatsächlichen Bedarf zu orientieren, gibt es eine Pauschalförderung, durch die es für 15 Prozent der Kinder im Krippenfähigen Alter je 100€ aus Onkel Dieters Kasse gibt. Tatsächlich besuchen jedoch 30 Prozent der Geraer Kleinkinder die Krippe. AWO-Geschäftsführer Michael Hoffarths beschreibt die Situation wohl am treffendsten: "Wir gleiten von einem der besten Betreuungssysteme in eines der schlechtesten ab."
Kinder und Jugendliche - vom Wegwerfwindelkontaminierer bis zum Abiturienten - sollen schonmal daran gewöhnt werden, dass man für alles, was irgendwie mit Bildung zutun hat, blechen muss. Das nennt die Landesregierung "Betreuungskonzept 2-16" Sind die ersten Opfer der gebührengeilen Politik aus Erfurt diesem Alter entwachsen, werden sie wohl kaum noch Widerstand leisten, wenn 2009 die Studiengebühren auch in Thüringen eingeführt werden. Man gewöhnt sich an alles. Offenbar auch ans Bezahlen.

23.8.05

Die Sommerpause ist vorbei

Ja, ich bin wieder da und habe einiges zutun. Ich muss zum Beispiel die Bloglinkliste erneuern, da ja zur Zeit alles bloggt, was rot ist. Wer jetzt schon nach einer großen Bloglinkliste hungert, sollte sich mal www.rotstehtdirgut.de anschauen. Dort erfährt man auch einiges über den harten SPD-Wahlkämpferalltag.
In meiner Sommerpause habe ich natürlich einige Blogwürdige Themen nicht verwursten können. Das hole ich jetzt nach, indem ich meine Sommerferien inklusive "kurz"-Reisebericht aus Finnland mal eben ganz schnell runterassel:

Die Ferien sind fast schon vorbei, und ich habe noch verdammt viel zutun. Also so wie jedes jahr, nur schlimmer. Die Schulfreie Zeit begann harmlos, ich feierte, baute an PA-Boxen rum und versuchte mich vergeblich zu erholen. Ende Juli begann dann der Ferienhöhepunkt. Mit 4 anderen Jusos nach Finnland, in die Partnerstadt Kuopio.

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Hier ein "kurzer" Reisebericht. Damit's nicht ganz sooo lang wird, habe ich an einigen Stellen auf Verben und Pronomen verzichtet. Ich bitte auch die schlechte Bildqualität zu entschuldigen, da die Bilder von meiner Spielzeugdigi gemacht wurden.

Freitach, 29. 07: 3.00 gmt + 1: Aufstehen, Im strömenden Regen auf den Juso-Vorsitzenden gewartet, der sich wie immer eine halbe Stunde verspätet hat. Im Mietwagen (Ein Mazda 6 ist für 5 Personen zu eng, eigentlich war ein Passat bestellt) nach Berlin, natürlich mit obligatorischen Stau. Flug mit Finnair nach Helsinki, 40 min Zeit zum Umsteigen. Aufgrund von Bauarbeiten musste man eine Runde um das gesamte Terminal laufen, um zum Gate 11 zu gelangen (obwohl wir an Gate 12 gelandet sind...)
14.30: gmt+2: Ankunft in Kuopio, von zwei Sozis empfangen, zur Jugendherberge gebracht wurden. Nicht gerade eine Nobelunterkunft?
17.00: beginn des gemeinsamen Saunaabends mit einander Kennenlernen, sozusagen in der RGS der Kuopioter Sozialdemokraten. Die RGS befindet sich in den beiden obersten Etagen eines Geschäftshauses direkt am Marktplatz. Geschätzte Gesamtfläche 400qm. Im oberen Stockwerk befindet sich der große Gemeinschafts- und Sitzungsraum, recht luxuriös mit Rattanstühlen ausgestattet. Durch das Panoramafenster hat man Blick auf den Marktplatz und das Rathaus. In diesem Raum war auch das Buffet aufgebaut. Es gab lecker Kartoffelauflauf und zum Nachtisch Erdebeertorte. Von Markku (rechts auf dem Bild) erhielten wir detailiertere Informationen über die vier finnischen Biersorten, die wir alle testen mussten.
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So kam man natürlich auch ins Gespräch und man tauschte sich über die Strukturen der Kommunalpolitik des jeweiligen Landes aus. Mittlerweile wurde auch die büroeigene Sauna aufgeheizt und wie wurden ernsthaft gefragt, welches Bier wir gerne in der Sauna trinken wollen. Die Finnen trinken wirklich bei 110° noch Alkohol!!!
Immerhin haben wir Saunaneulinge ganze 15 Minuten ausgehalten. Die Seifenspender an den Duschen wurden übrigens fest an der Wand montiert. Seinen Ausklang fand der Abend an einer teuren Bar direkt am Ufer des Kalavesi.

Samstag: Lange ausgeschlafen, Vormittag sightseeing-tour mitgemacht, gebratene Strömlinge mit Kartoffeln gegessen. Im KKK-Supermarkt eingekauft. Euroshopper-Kaffee erworben, was sich als schwerwiegender Fehler herausstellte (Bitter und nur mit ner halben Tasse Milch genießbar). Überlebensnotwendiges (Brot und Nuss-Nugat - Creme) gekauft.
Abends mit ner aus Deutschland importierten Flasche Wein am See gesessen, und den Klängen des direkt am anderen Ufer stattfindenden Rock-Cock gelauscht. Die gar nicht mal so üble Mugge wurde gelegentlich von den Schreien finnischer Bungee-Springer übertönt.

Sonntag: Segeltour mit Jakku, einem sozialdemokratischen Musiklehrer über den Kalavesi. Leider war absolut kein Wind, sodass wir mit Motorkraft zu der kleinen Insel schippern mussten. Diese Insel hatten wir aber dann ganz allein für uns, machten dort ein BBQ und badeten. Jakku war wahrscheinlich ein Westfinne, denn er redete nicht viel. Auf der Rückfahrt segelten wir zur Verwunderung der anderen Bootsbenutzer unter deutscher Flagge.
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Abends probierten wir das finnische Gegenstück zu MCDonalds aus: Hesburger. Geschmacklich aber nicht so toll.

Montag: Zusammen mit einer jungen Sozialdemokratin, die Mitglied des Schulausschusses ist besuch beim Schulamt. Bei Kaffee und finnischen Griesson-Plätzchen wurde uns vom Grundschulbereichsleiter (Grundschule geht dort bis zur 9. Klasse) das finnische Schulsystem erklärt.
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Danach Besuch im Rathaus, Smalltalk mit dem Bürgermeister, der in Finnland übrigens auf unbegrenzte Zeit gewählt wird. Die Blonde Dame in der Mitte des Fotos ist Pirjo, Mitglied des Stadtrats, des Hauptausschusses und Fraktionsgeschäftsführerin. Sie organisierte so ziemlich alles für uns.
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Am Nachmittag einen 14,90 Euro teuren Adidas-Fußball gekauft, und auf einem der vielen öffentlichen und gepflegten Bolzplätze Fußball gespielt. Abends ?ne Tiefkühl-Hawaii in der Jugendherbergsinternen Küche zubereitet-

Dienstag: Besuch im Savon Vocational College. Einer vielseitigen polytechnischen Berufsschule mit vielen Möglichkeiten. Alles viel besser organisiert, als in vergleichbaren deutschen Einrichtungen. So betreiben die angehenden Kellner und Köche z.B. ein Restaurant im Fernsehturm von Kuopio, die Schüler im technischen Bereich bauen ganze Einfamilienhäuser, die Schule verkauft diese, was dem Budget der selbstverwalteten Schule zugute kommt usw. Erklärt wurde uns das alles von Markku, dem für die individuelle Lehrplanentwicklung zuständigen Lehrer, der in Göttingen studiert hat und perfekt deutsch spricht. Mittags wieder 'ne Tiefkühl-Hawaii. Abends wieder bolzen.

Mittwoch: Wandertag: Vorbei am Gerichtsgebäude (wir hatten ne Jurastudentin in der Gruppe) zum Hausberg Kuopios, dem Pujo. Mit weit über 300 Metern für finnische Verhältnisse ziemlich hoch. Auf diesem Pujo steht ein Fernsehturm. Von da aus hat man ne tolle Sicht und kann im sich drehenden Restaurant für teures Geld essen gehen. Nur gab es in diesem Restaurant einige Probleme mit der Rechnung. Auf dieser Rechnung standen 8 Mittagessen, obwohl wir nur zu fünft waren. Bis wir die richtige Summe raus hatten, mussten wir die blonde Kellnerin fünfmal herzitieren. Unverständlich, dass Finnland auch im Bereich der Mathematik Pisasieger ist.
Ebenfalls am Pujo gelegen: die Weltcup-Skisprungschanzen.
bild5Dort trainierten gerade einige Nachwuchsspringer auf der 130er Schanze. Auf dem Rückweg ins Zentrum von Kuopio mussten wir noch am Bahnhof vorbei (wir hatten nen Bahnangestellten in der Gruppe). Zufällig erfuhren wir, dass an diesem Tag der 1.Liga Fußballclub "KUPS" gegen "KooTeePee" spielt. Das Stadion hat einen schönen Kunstrasenplatz und eine neugebaute (Holz-)Tribüne.
Zum Spiel waren rund 3000 Zuschauer, und wir erlebten das sprichwörtliche finnische Temperament. Beim 1:0 für Kuopio waren wir die einzigen, die jubelnd aufsprangen. Die Finnen saßen klatschend und schweigend da. Endergebnis: 2:1 für Kups.

Donnerstag: Vormittag Sachen gepackt, in der weisen Voraussicht, dass man abends nicht mehr dazu kommen wird. Mittags Besuch in der internationalen Abteilung der Universität von Kuopio. Die haben kaum Studienabbrecher dort und ganz leckeren Blaubeerkuchen mit Vanillesauce. Nachmittags zusammen mit allen beteiligten noch einmal zum Kaffee- bzw. Biertrinken in eine Bar. Dort die ganzen Gastgeschenke verteilt. Unter anderem drei Buddeln hochprozentigen. Die Finnischen SDP-Mitglieder waren der Meinung sich revanchieren zu müssen, so schickten sie einen Genossen los, der für uns drei Flaschen finnischen Schnaps holen sollte. Dieser Genosse war es auch, der uns anschließend in die nächste Bar und zur Vorratsvernichtung begleitete. Dabei gingen auch 2 der 3 Flaschen drauf.
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Freitag: 5.00: Aufstehen, kalt duschen, 3 Tassen Kaffee trinken, 6.15 kam das Taxi, 7.30 ging der Flieger. Turboprop mit niedriger Flughöhe bei schlechtem Wetter - Luftlöcher, die Anschnallzeichen gingern mit Stroboskopartiger Geschwndigkeit an und aus. 7 Stunden Aufenthalt in Helsinki. Sightseeing-tour in der Innenstadt. Von bevorstehender Leichtathletik-WM nichts zu merken. Helsinki als Stadt ganz schön, ein Tagesbesuch reicht aber, um die Hauptsehenswürdigkeiten abzuklappern.
http://www.mitglied.lycos.de/bilderaustarnow/websozi/helsinki.jpg
17.30 Weiterflug nach Berlin Tegel, von da aus mit dem Mietwagen (diesmal Passat) nach Gera. Zweite Halbzeit geschaut, danach 13 Stunden durchgeschlafen und Wahlkampfauftakt verpasst.

----snap----

Das WE danach war ich in West-Westfalen zum 85. Geburtstag des Cousins meines Vaters. Der hat mir 2 Modellflugzeuge geschenkt, sodass ich die Abstürze meiner eigenen Flugzeuge in den letzten Jahren endlich verkraften konnte (Jaa, noch ein Hobby, mach ich aber schon seit ich 12 bin)

Ich war nicht einmal eine Stunde wieder zu Hause, da bekam ich einen Anruf, dass ich in einer halben Stunde abgeholt werde, um nach Jena zu fahren. Mal "Hallo, Gerd" sagen. Um in den Bereich der vom BKA als vetrauenswürdig eingestuften Kanlerzujubler zu kommen, musste man ganz schön lange anstehen, was aufgrund der vielen Leute ein lustiges Gruppenkuscheln wurde. Es war schön zu beobachten, dass eine versöhnliche Stimmung auf dem Jenaer Marktplatz herrschte, sodass sogar die Pfeifen von JU und DieLinke-SED gemeinsam in die selbigen Pusteten, und mit vereinten kräften die Veranstaltung zu Stören. O-Ton des Ungefärbten: "Also hört ma jungs, mein Mikro is tausendmal lauter als eure kehlen, da kommt ihr nicht gegen an. Morgen habt ihr dann alle Halsschmerzen, müsst z um Arzt und belastet das Gesundheitssystem"

Und das alles, trotzdem ich so frustriert bin. Mir wurde das Visum zur Einreise nach Bayern verweigert. Weil die Gefahr besteht, dass ich ein reiner Wirtschaftsasylant bin. Dabei habe ich extra die Bayrische Nationalhymne ausgelernt, habe nur noch einzelne Textschwierigkeiten: "Gott mit dir du Land der Bayern, schwarzer Ede, hirnverbrannt" ... oder so ähnlich.
Mein Bruder ist seit einer Woche zu besuch, er behauptet, er habe Urlaub. Aber ich glaube, er wurde wegen sozialdemokratischer Aktivitäten von Beckstein persönlich abgeschoben.
Ich habe mich neulich auch über mich selbst erschrocken. Ich besitze einen DDR-Impfausweis. Ist dies ein Indiz dafür, dass ich ein potentieller Massenmörder bin? Da muss ich doch glatt mal den Psyscho- und Soziologen Schönbohm fragen....

7.6.05

Büchergeld? Lernmittelpauschale? – Schulgeld!

Am Abend des 22.04.05, einem Freitag, brannten selbst gegen 20.00 Uhr noch vereinzelt Lichter im Thüringer Landtag. Im Raum hinter diesen Lichtern diskutierten 11 Landtagsabgeordnete. Diese 11 Leute sind Mitglieder des Bildungsausschusses und debattierten gerade über das Ende der gebührenfreien Bildung in Thüringen. Leider sind 6 von 11 anwesenden Personen im Besitzt eines „C“DU-Parteibuches. Somit wurde die neu entworfene Lernmittelverordnung problemlos verabschiedet.
Kultusminister Jens Göbel behauptet, er habe „rechtzeitig mit den Betroffenen das Gespräch gesucht“. Jedoch wurde die Gebührenverordnung, von Kultusbürokraten „ThürLLVO“ getauft, trotz Einwänden der Landeselternvertretung, des Landesschulbeirates, der Landtagsopposition und der GEW durchgeboxt.
Im Verordnungstext heißt es „An den Kosten der Lernmittelfreiheit werden die Eltern und volljährigen Schüler [...] beteiligt“. Wer diesen Satz liest und brav im Deutschunterricht aufgepasst hat, bemerkt, dass sich die Verordnungsschreibbeamten im Kultusministerium eines stilistischen Mittels, nämlich des Paradoxons, bedient haben. Natürlich ist die CDU gnädig, befreit Kinder von ALGII-Empfängern von der Kostenbeteiligung und gewährt zeugungsfreudigen Eltern mit mindestens drei zu beschulenden Kindern Mengenrabatt – selbstverständlich nur auf Antrag. Wie das ganze in der Praxis realisiert wird, ist noch unklar. Der oder die gebühreneintreibende Lehrerin wird dann wahrscheinlich den zuzahlungsbefreiten Schüler vor versammelter Klasse nach dem Hartz-IV-Bescheid der Eltern fragen.
Nun wird vielleicht der ein oder andere argumentieren: „Das Büchergeld kommt doch ausschließlich den Schulen zugute.“ Kommt es aber nicht! Rund 44.000 Grundschüler ab Klasse zwei sollen pro Schuljahr 22,50 Euronen zahlen. Macht 990.000€. An Thüringer Gymnasien, Regel- und Gesamtschulen lernen ca. 171.000 Jugendliche, die sich mit jeweils 45 Euro an der Lernmittelfreiheit beteiligen sollen. 7.713.000€ nimmt das Land an diesen ein. Die „C“DU-Regierung kürzte die Ausgaben für die Lehr- und Lernmittel allerdings um drei Millionen. Die Landesregierung kassiert also doppelt soviel, wie sie weggekürzt hat.
Zum Glück wird die Gebührenverordnung nicht von allen widerstandslos hingenommen. Einige Lehrer wollen das Büchergeld gar nicht erst einsammeln. Müssen sie eigentlich auch nicht. Verwaltungstätigkeiten gehören nämlich gar nicht zum Aufgabenbereich der Lehrkräfte. Auch was passiert, wenn Schüler bzw. deren Eltern die Zahlung verweigern, ist noch nicht geklärt. Nach dem Grundsatz der Bildungsgerechtigkeit müssen diese genau wie ihre zahlenden Mitschüler weiter beschult werden.


Soll ich den Boykott wagen?
Probieren kann man's ja.
Vielleicht denken noch mehr Schüler bzw. deren Eltern genauso.

27.5.05

Extrem langweilige Ethikstunden...

Hallo Welt. Ich habe jetzt 6 Wochen keinen Eintrag mehr in diesen Blog geschrieben. Warum? Keine Zeit? Warum keine Zeit? Weil ich lange keine Ethikstunde im Computerkabinett mehr hatte.
Man kann sich einfach nichts schöneres vorstellen, als an einem sonnigen Freitag mit 32° Außentemperatur noch bis 15.30 in der Schule zu hocken, und eigentlich nichts zutun zu haben. Ethik ist übrigens so ziemlich das einzige Nebenfach, was wir opfer des thüringer Schulsystems nicht abwählen können. Ich könnte mich ja jetzt an irgendwelchen Diskussionen über Verantwortung beteiligen. Doch jeder normale Mensch, der zum Einen nichts gegessen hat und zum Anderen schon 7 Stunde Schule inklusive 2-stündiger Kursarbeit im Leistungsfach mehr oder weniger überlebte, wird wohl zu dieser nachmittäglichen Stunde eher an Königsberger Klöpse (mag ich zwar nich, aber immerhin was zu essen) als an diesen imperativformulierenden Philosophen der gleichen Herkunft denken.

Deswegen: Liebe engagierten Mitthüringer: Beteiligt euch an der soeben von mir ins Leben gerufenen Aktion: "Echte Freiheit statt nur darüber reden - Ethikunterricht zur Abwahl freigeben!"

Danke
MM